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Zu gefährlich für die Öffentlichkeit: Mythos, Codex und die neue Selbstzensur der KI-Giganten

neothink_2026-05-15

Das Modell, das die Banken in Panik versetzt

Man stelle sich vor, ein KI-Modell zu bauen, das so gut darin ist, Sicherheitslücken zu finden, dass man es lieber nicht veröffentlicht. Genau das ist Anthropic mit Mythos passiert. Anfang April präsentierte das Unternehmen ein Frontier-Modell, das bei der Analyse von Betriebssystemen und Web-Browsern Tausende kritische Schwachstellen identifizierte – und beschloss dann, es nicht öffentlich zugänglich zu machen. Rund 50 Technologie- und Cybersicherheitsunternehmen dürfen im Rahmen des sogenannten Project Glasswing auf Mythos zugreifen, der Rest wartet.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: US-amerikanische Banken, Versorger und Behörden begannen hektisch, ihre Legacy-Systeme zu überprüfen – nicht weil Mythos aktiv missbraucht wurde, sondern weil die bloße Existenz eines solchen Modells zeigt, wie verwundbar bestehende IT-Infrastrukturen sind. Der irische Mediendienst Rest of World brachte es auf den Punkt: Wer keinen Zugang zu den besten defensiven KI-Werkzeugen hat, ist gegenüber denjenigen, die ihn haben, im Nachteil. Die Europäische Kommission zum Beispiel wartet noch immer auf Zugang – während OpenAI die EU bereits mit einem eigenen Cyber-Modell versorgt.

Codex wächst schneller als jedes Tool zuvor

Während Anthropic bremst, gibt OpenAI Gas. Codex hat inzwischen über 4 Millionen aktive Nutzer pro Woche – ein Achтfaches gegenüber Jahresbeginn. Der Grund: Im April wurde Codex massiv erweitert. Das Tool kann nun nicht nur Code schreiben, sondern auch den Computer des Nutzers bedienen – es sieht den Bildschirm, klickt und tippt mit eigenem Cursor, arbeitet parallel im Hintergrund und lernt aus vergangenen Aktionen. Anfang Mai folgte eine Chrome-Erweiterung, die Codex direkt in den Browser bringt.

Was hier passiert, ist kein inkrementelles Update – es ist der erste ernsthafte Versuch, einen KI-Agenten so in den Arbeitsalltag zu integrieren, dass er nicht mehr als separates Tool wahrgenommen wird, sondern als digitaler Mitarbeiter, der einfach mitläuft. Die Frage, ob KI-Agenten jemals wirklich nützlich für echte Workflows sein würden, stellt sich 2026 nicht mehr.

Auch Washington entdeckt die Vorteile der Aufsicht

Wer hätte das gedacht: Die Trump-Administration, die KI-Regulierung bisher eher skeptisch betrachtete, hat nun Vereinbarungen mit Google DeepMind, Microsoft und xAI geschlossen, die dem staatlichen Center for AI Standards and Innovation erlauben, neue KI-Modelle vor der öffentlichen Veröffentlichung zu testen. Der Schritt kommt nicht aus Überzeugung, sondern aus pragmatischem Eigeninteresse – Frontier-Modelle mit militärisch relevanten Fähigkeiten sollen nicht unkontrolliert in die Welt gelangen. Anthropics Mythos hat diese Debatte erheblich beschleunigt.

Parallel dazu veröffentlichten britische Regulierungsbehörden – darunter CMA, ICO und FCA – ein gemeinsames Papier zu den Risiken und Governance-Anforderungen von KI-Agenten. Themen: Datenschutz, Verbraucherrechte, Marktwettbewerb. Europa und Großbritannien bewegen sich also in Richtung strukturierter Aufsicht, während die USA eher auf bilaterale Vereinbarungen mit den Unternehmen setzen. Beide Ansätze haben ihre Logik – und ihre blinden Flecken.

Was das bedeutet

Zwei Entwicklungen dieser Woche zeigen, wohin die Reise geht: KI-Modelle werden mächtiger, als ihre Schöpfer es für vertretbar halten – und gleichzeitig tiefer in operative Prozesse integriert, als es noch vor einem Jahr vorstellbar war. Genau an dieser Schnittstelle arbeitet neothink: Systeme, die nicht nur demonstriert werden, sondern in laufende Unternehmensabläufe integriert sind – mit dem Wissen, welche Fähigkeiten tatsächlich eingesetzt werden können und welche besser im Labor bleiben.

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